„Farbkonzept für U-Bahnhof Messestadt West”
München 2000-2003
So unterschiedlich die einzelnen Projekte von FARBE + RAUM/Ideen von Künstlern auch ausfallen, eines haben sie gemeinsam: Sie lassen nicht gleichgültig. Nicht immer fällt die öffentliche Reaktion allerdings so konträr aus wie bei Heindls Farbkonzept für die U-Bahn Messestadt West in München.
Als thematische Vorgabe für die Bahnhöfe der Linie 2 hatte das U-Bahn-Referat der Landeshauptstadt München zwei Gestaltungselemente vorgegeben: Die Farbe Rot und das Prinzip des veredelten Rohbaus.
Der großzügige Bahnhof der dänischen Architekten von BBP (Leitung des Münchner Projektteams: Alexander Strub) wird durch trichterförmige Oberlichter und ein seitliches gläsernes Café auf Eingangsebene mit Tageslicht versorgt. Diese vorgegebenen Licht- und Schattenwirkungen wollte der Künstler Heribert Heindl in sein Konzept miteinbeziehen. Seine Idee bestand darin, den gesamten Raum mit Variationen nur einer Grundfarbe zu gestalten, die sich lediglich in Dichte, Transparenz, Farbintensität und Leuchtkraft voneinander unterscheiden sollten. Um diesen Effekt zu erreichen, wurde extrem verdünnte rote Kunstharzfarbe in ein-, zwei- oder dreifacher Lasur auf zwei unterschiedliche Grundierungen – farblos und weiß-transparent – aufgetragen. Die einzelnen Farbflächen wechseln im Rhythmus der Bauabschnittsfugen. Durch ihre Transparenz betonen sie die Materialität der Sichtbetonwände und machen gleichzeitig seine „natürliche” Gliederung sichtbar.
Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete den U-Bahnhof als das „gelungenste Beispiel des veredelten Rohbaus”. Allerdings störte die Rohheit des unverhüllten Sichtbetons – durch die Farbgestaltung akzentuiert statt versteckt – ganz empfindlich den Ordnungssinn einiger Mitbürger. Prompt titelte die tz als deren Sprachrohr mit der empörten Schlagzeile: „Ist das Kunst?”
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